Mönchspfeffer wird oft als natürlicher „Hormonregler" verkauft. Die Wahrheit ist differenzierter, und genau das macht ihn interessant.
Wie er wirklich wirkt
Mönchspfeffer gleicht keine Hormone direkt aus. Er wirkt über die Hirnanhangsdrüse, genauer gesagt über Dopaminrezeptoren. Wenn er dort andockt, wird die Ausschüttung des Hormons Prolaktin gebremst. Prolaktin kann den Eisprung hemmen, die zweite Zyklushälfte stören und Brustspannen verstärken. Mönchspfeffer setzt also an einem Regulationssignal an, nicht am Hormon selbst.
Wann er sinnvoll sein kann
Die beste Datenlage gibt es für PMS, besonders bei Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen und Brustspannen. Auch bei leicht erhöhtem Prolaktin oder einer gestörten Lutealphase kann er unterstützen.
Aber: Er hilft nicht bei allem
Bei PMOS sind die Hinweise dünn. Bei unerfülltem Kinderwunsch greift er nur, wenn tatsächlich ein prolaktinbedingtes Problem vorliegt. Und wenn PMS durch Stress, Schlafmangel oder Entzündungen entsteht, setzt Mönchspfeffer am falschen Mechanismus an. In manchen Fällen können sich Symptome sogar verschlechtern.
Was du beachten solltest
Die Wirkung ist dosisabhängig. Niedrige Dosen können Prolaktin unter Umständen sogar erhöhen. In der Schwangerschaft, Stillzeit und bei Kindern sollte er nicht eingesetzt werden. Auch bei hormoneller Verhütung oder dopaminwirksamen Medikamenten ist Vorsicht geboten.
Was das für dich heißt
Mönchspfeffer ist kein Universalmittel, aber bei der richtigen Ursache ein gezieltes Werkzeug. Die entscheidende Frage ist nicht, welches Mittel du nimmst, sondern ob du verstehst, was in deinem Körper gerade passiert. Sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, bevor du loslegst.
Ausgewählte Quellen zum Weiterlesen
Purker, P. (2021) Wilde Kräuter für wilde Frauen: Arzneipflanzen aus der traditionellen europäischen Medizin für den gesamten weiblichen Zyklus – von Nestkräutern bis zum wilden Wechsel. Mautern an der Donau: Freya Verlag. ISBN 978-3-86663-139-7.
Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden oder Fragen wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

