Zwei Kräuter aus derselben Pflanzenfamilie, seit Jahrhunderten in der Frauenheilkunde eingesetzt. Was steckt dahinter?
Verwandt, aber verschieden
Beifuß (Artemisia vulgaris) und Wermut (Artemisia absinthium) gehören zur Gattung Artemisia, benannt nach der griechischen Göttin der Frauen und Natur. Beide enthalten ätherische Öle, Bitterstoffe, Flavonoide und Gerbstoffe. Beifuß wird traditionell eher bei Zyklusbeschwerden eingesetzt, Wermut eher bei Verdauungsproblemen.
Was die Tradition sagt
In der europäischen Pflanzenheilkunde galt Beifuß als Mittel bei unregelmäßiger Menstruation, Krämpfen und PMS. Er wurde als sogenanntes Emmenagogum beschrieben, also als Pflanze, die das Einsetzen der Blutung unterstützen soll. Wermut ist vor allem als klassische Bitterpflanze bekannt: Er regt die Produktion von Magensaft und Galle an und unterstützt die Verdauung.
Aber: Die klinische Forschung ist dünn
Einige Laborstudien zeigen, dass Inhaltsstoffe der Artemisia-Gattung auf glatte Muskulatur wirken, entzündungshemmende und antimikrobielle Eigenschaften haben. Für die Anwendung bei Zyklusbeschwerden am Menschen fehlen aber größere klinische Studien.
Was du beachten solltest
Beide Pflanzen enthalten Thujon, das in größeren Mengen das Nervensystem beeinflussen kann. In Schwangerschaft, Stillzeit und bei Kindern sollten sie nicht angewendet werden. Beim Kauf auf Bioqualität achten. Selbst pflücken nur mit sicherer Pflanzenkenntnis.
Was das für dich heißt
Beifuß und Wermut können eine interessante Ergänzung sein, wenn du dich für Pflanzenheilkunde interessierst. Sie ersetzen keine ärztliche Behandlung, verdienen aber einen informierten, neugierigen Blick. Bei konkreten Beschwerden sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Ausgewählte Quellen zum Weiterlesen
Purker, P. (2021) Wilde Kräuter für wilde Frauen: Arzneipflanzen aus der traditionellen europäischen Medizin für den gesamten weiblichen Zyklus – von Nestkräutern bis zum wilden Wechsel. Mautern an der Donau: Freya Verlag. ISBN 978-3-86663-139-7.
Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden oder Fragen wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

