Pflanzenkunde

Beifuß und Wermut:
Artemisia-Heilpflanzen für Zyklus, Verdauung und Frauengesundheit

Beifuß und Wermut – traditionelle Heilpflanzen für den weiblichen Zyklus?

In der Pflanzenheilkunde tauchen bestimmte Kräuter immer wieder auf, wenn es um die Gesundheit des weiblichen Körpers geht. Zwei davon gehören zur gleichen Pflanzengattung: Beifuß (Artemisia vulgaris) und Wermut (Artemisia absinthium).

Beide Pflanzen werden seit Jahrhunderten in der traditionellen europäischen Medizin verwendet – unter anderem bei Verdauungsbeschwerden, Entzündungen und auch bei Zyklusproblemen. Doch welche Wirkungen sind wissenschaftlich plausibel, und welche stammen eher aus der traditionellen Erfahrungsmedizin?

Die Pflanzengattung Artemisia

Beifuß und Wermut gehören zur Pflanzengattung Artemisia, einer Gruppe aromatischer Kräuter aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae).

Der Name wird häufig mit der griechischen Göttin Artemis in Verbindung gebracht, die als Beschützerin von Frauen, Geburt und Natur galt. Auch wenn diese Verbindung historisch nicht eindeutig belegt ist, zeigt sie, dass Pflanzen dieser Gattung schon früh mit Frauenheilkunde assoziiert wurden.

In Europa sind besonders zwei Arten bekannt:

Beifuß (Artemisia vulgaris)
Eine häufige Wildpflanze, die an Wegrändern und Wiesen wächst.

Wermut (Artemisia absinthium)
Eine stark aromatische Pflanze mit intensiv bitterem Geschmack.

Wichtige Inhaltsstoffe

Beide Pflanzen enthalten eine Mischung verschiedener sekundärer Pflanzenstoffe, die teilweise pharmakologisch untersucht wurden.

Zu den wichtigsten zählen:

  • Ätherische Öle (z. B. Thujon, Cineol, Kampfer)
  • Bitterstoffe (z. B. Absinthin im Wermut)
  • Flavonoide
  • Gerbstoffe
  • Terpene

Diese Stoffe können unter anderem folgende Eigenschaften besitzen:

  • entzündungshemmend
  • krampflösend
  • antimikrobiell
  • verdauungsfördernd

Traditionelle Anwendung in der Frauengesundheit

In der traditionellen europäischen Pflanzenheilkunde wurde vor allem Beifuß häufig bei Beschwerden rund um den weiblichen Zyklus verwendet.

Historisch beschriebene Anwendungen sind zum Beispiel:

  • Unterstützung bei unregelmäßiger Menstruation
  • Linderung von Menstruationskrämpfen
  • Anwendung bei prämenstruellen Beschwerden (PMS)

Beifuß wurde dabei oft als sogenanntes Emmenagogum bezeichnet – also als Pflanze, die das Einsetzen der Menstruation unterstützen soll.

Wissenschaftliche Studien zu diesen Effekten beim Menschen sind bisher jedoch begrenzt. Einige experimentelle Untersuchungen zeigen jedoch, dass Inhaltsstoffe aus Artemisia-Arten glatte Muskulatur beeinflussen können, was eine mögliche Erklärung für krampflösende Effekte sein könnte.

Wermut und die Verdauung

Während Beifuß traditionell häufiger mit Zyklusbeschwerden in Verbindung gebracht wird, ist Wermut vor allem als klassische Bitterpflanze bekannt.

Bitterstoffe können:

  • die Produktion von Magensaft anregen
  • die Gallenproduktion stimulieren
  • die Verdauung unterstützen

Diese Wirkung ist wissenschaftlich gut nachvollziehbar, da Bitterstoffe über spezielle Rezeptoren Reflexe im Verdauungssystem auslösen.

Weitere pharmakologische Wirkungen in der Forschung

Neben der traditionellen Anwendung untersuchen moderne Studien auch weitere mögliche Effekte von Artemisia-Arten.

Antimikrobielle Eigenschaften

Ätherische Öle aus Artemisia zeigen in Laborstudien Aktivität gegen verschiedene Mikroorganismen.

Entzündungshemmende Effekte

Flavonoide und andere sekundäre Pflanzenstoffe können entzündungshemmende Prozesse beeinflussen.

Krebsforschung

Einige Artemisia-Arten enthalten Stoffe, die in experimentellen Studien eine Wirkung auf Krebszellen zeigen. Diese Forschung findet hauptsächlich im Labor oder in Zellkulturen statt und ist noch weit von klinischen Anwendungen entfernt.

Malaria

Ein besonders bekanntes Beispiel ist eine andere Art der Gattung: Artemisia annua. Daraus wurde der Wirkstoff Artemisinin isoliert, der heute ein wichtiger Bestandteil moderner Malaria-Therapien ist. Für Beifuß und Wermut selbst gilt diese Wirkung jedoch nicht in gleicher Weise.

Anwendungsformen in der Pflanzenheilkunde

Traditionell werden Artemisia-Pflanzen in verschiedenen Formen verwendet, zum Beispiel:

Tee (Aufguss)
Getrocknete Pflanzenteile werden mit heißem Wasser übergossen.

Tinktur
Alkoholische Auszüge aus den Pflanzenteilen.

Bitterextrakte

Besonders bei Wermut verbreitet.

In der modernen Phytotherapie werden häufig standardisierte Präparate verwendet, bei denen die Inhaltsstoffe kontrolliert sind.

Beim Kauf gilt: Bioqualität bevorzugen, um Schadstoffrückstände zu vermeiden.

Selbst pflücken sollte man die Pflanzen nur, wenn man wirklich geübt in Pflanzenbestimmung ist und die Naturschutzbestimmungen kennt.
Viele Kräuter stehen unter Schutz, und eine Verwechslung kann gefährlich sein.
👉 Pflanzen immer vor Ort sicher bestimmen – nie erst zu Hause!
Im Zweifel lieber auf geprüfte Ware aus der Apotheke oder Kräuterhandlung zurückgreifen.

Sicherheit und wichtige Hinweise

Artemisia-Pflanzen enthalten unter anderem den Inhaltsstoff Thujon, der in größeren Mengen das Nervensystem beeinflussen kann.

Deshalb sollten Beifuß und Wermut nicht angewendet werden bei:

  • Schwangerschaft
  • Stillzeit
  • kleinen Kindern

Tradition und moderne Forschung

Beifuß und Wermut sind ein gutes Beispiel dafür, wie sich traditionelles Pflanzenwissen und moderne Forschung ergänzen können.

Viele Anwendungen stammen aus jahrhundertelanger Erfahrung. Einige pharmakologische Effekte – etwa auf Verdauung oder glatte Muskulatur – lassen sich heute auch wissenschaftlich nachvollziehen. Für viele Anwendungen im Bereich der Zyklusgesundheit fehlen jedoch noch größere klinische Studien.

Heilpflanzen können deshalb eine interessante Ergänzung traditioneller Gesundheitspraktiken sein – sollten aber immer kritisch und informiert betrachtet werden.

 

Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden oder Fragen wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

Ausgewählte Quelle zum Weiterlesen

Purker, P. (2021) Wilde Kräuter für wilde Frauen: Arzneipflanzen aus der traditionellen europäischen Medizin für den gesamten weiblichen Zyklus – von Nestkräutern bis zum wilden Wechsel. Mautern an der Donau: Freya Verlag. ISBN 978-3-86663-139-7.

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